Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum einige Hunde neue Tricks in Minuten lernen, während andere Sie anstarren, als würden Sie eine andere Sprache sprechen? Oder warum bestimmte Rassen besessen davon zu sein scheinen, Dingen nachzujagen, während andere es vorziehen, auf der Couch zu kuscheln?
Die Antwort liegt im rassenspezifischen Verhalten. Obwohl alle Hunde derselben Art angehören (Canis lupus familiaris), beeinflusst ihre genetische Ausstattung, wie sie lernen, reagieren und sich verhalten.
Egal, ob Sie mit einem eigenwilligen Husky, einem bellenden Chihuahua oder einem unaufhaltsamen Hütehund zu kämpfen haben – das Verständnis der Rasseninstinkte macht das Training einfacher und effektiver.
Was Sie in diesem Leitfaden lernen werden
✔️ Die einfachsten (und schwersten) Rassen zum Trainieren
✔️ Wie Hüteinstinkte das Verhalten prägen
✔️ Warum einige Rassen mehr bellen als andere
✔️ Welche Hunde den stärksten Beutetrieb haben
✔️ Wie die Futtermotivation je nach Rasse variiert
1. Welche Hunderassen sind am einfachsten (und am schwersten) zu trainieren?

Trainingserfolg hängt nicht nur von Intelligenz ab – es geht auch um die Bereitschaft des Hundes, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Einige Rassen sind sehr folgsam (eifrig zu gefallen), während andere unabhängige Denker sind, die mehr Geduld benötigen.
🧠 Studienerkenntnis
Eine groß angelegte Studie, die über 14.000 Hunde aus 101 Rassen analysierte, fand heraus, dass Trainierbarkeit hoch vererbbar ist, was bedeutet, dass bestimmte Rassen genetisch darauf ausgelegt sind, leichter (oder schwerer) zu trainieren zu sein (MacLean et al., 2019).
🐾 Am einfachsten zu trainierende Rassen
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✔️ Border Collie – Rangiert auf Platz 1 der Intelligenz; lernt neue Befehle in weniger als 5 Wiederholungen (Coren, 2006)
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✔️ Pudel – Klug und bestrebt zu gefallen
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✔️ Deutscher Schäferhund – Gehorsam und instinktiv kooperativ
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✔️ Labrador Retriever – Lernt gerne (besonders wenn Essen im Spiel ist!)
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✔️ Golden Retriever – Freundlich, reaktionsfreudig und durch Lob motiviert
🐾 Am schwersten zu trainierende Rassen
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❌ Basenji – Intelligent, aber berüchtigt stur
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❌ Afghanischer Windhund – Distanziert und schwer zu motivieren
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❌ Chow Chow – Loyal, aber nicht leicht von Befehlen beeindruckt
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❌ Bulldogge – Willensstark und bevorzugt Nickerchen gegenüber Training
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❌ Beagle – Nasenorientierte Denker, die leicht abgelenkt werden
💡 Trainingstipp:
Bei störrischen Rassen sollten die Trainingseinheiten kurz und spaßig sein. Verwenden Sie hochwertige Belohnungen und konzentrieren Sie sich auf Engagement statt Wiederholung.
2. Verständnis des Hüteinstinkts: Warum manche Hunde allem nachjagen

Jagt Ihr Hund obsessiv Kindern, Fahrrädern oder Schatten hinterher? Das ist wahrscheinlich der Hüteinstinkt – ein Verhalten, das ursprünglich gezüchtet wurde, um Vieh zu kontrollieren.
🐕 Warum jagen Hütehunde?
Hütehunderassen wurden ausgewählt, um Tiere präzise zu bewegen. Ohne eine Herde zum Hüten können sie diese Energie auf alles richten, was sich bewegt (Ha & Campion, 2018).
Top Hütehunderassen mit starkem Instinkt
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Border Collie – Verwendet einen intensiven Blick (das "Auge"), um Bewegungen zu kontrollieren
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Australian Shepherd – Hohe Energie und Hütedrang
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Corgi – Bekannt dafür, an Fersen zu zwicken (Rinderhüter!)
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Belgischer Malinois – Starker Hüteinstinkt, der im Militär- und Polizeidienst genutzt wird
📊 Wussten Sie schon?
Hüteverhalten ist oft genetisch stärker vererbbar als Trainierbarkeit (MacLean et al., 2019).
💡 Trainingstipp:
Lenken Sie die Hüteenergie durch Agility, strukturiertes Spiel oder Hundesport, um Frustration oder Jagdverhalten zu verhindern.
3. Warum manche Hunde mehr bellen als andere

Manche Hunde bellen ununterbrochen. Andere machen kaum ein Geräusch. Es geht nicht nur um Persönlichkeit – es ist die genetische Veranlagung.
🐾 Warum bellen bestimmte Rassen mehr?
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Hunde, die für Bewachung oder Alarmierung gezüchtet wurden, neigen dazu, vokal zu sein
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Terrier und Jagdhunde bellen, um Beute zu signalisieren
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Begleithunderassen bellen, um Ihre Aufmerksamkeit zu bekommen
Am vokalsten Rassen
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🔊 Beagle – Nutzt Bellen, um Jäger zu alarmieren
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🔊 Chihuahua – Beschützend und sehr aufmerksam
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🔊 Miniature Schnauzer – Wachhund, der zuerst bellt
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🔊 Shetland Sheepdog – Nutzt Bellen zur Viehhaltung
Am wenigsten vokale Rassen
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🔇 Basenji – Bellt nicht; macht jodelähnliche Laute
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🔇 Greyhound – Ruhig und still
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🔇 Deutsche Dogge – Sanfter Riese mit geringem Belltrieb
💡 Trainingstipp:
Bringen Sie ein „ruhig“-Signal bei und belohnen Sie ruhiges Verhalten. Vermeiden Sie es, Bellen versehentlich durch Aufmerksamkeit zu verstärken.
4. Beutetrieb bei Hunden: Welche Rassen jagen am ehesten?

Rennt Ihr Hund Eichhörnchen, Vögeln oder allem, was sich bewegt, hinterher? Das ist Beutetrieb – ein Instinkt zu jagen und zu fangen.
⚡ Rassen mit starkem Beutetrieb
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Sibirischer Husky – Neigt zum Jagen und Weglaufen
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Jack Russell Terrier – Gezielt gezüchtet, um kleine Tiere zu jagen
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Weimaraner – Intensive Konzentration und Antrieb
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Dackel – Gräbt und jagt gerne unterirdische Tiere
💡 Trainingstipp:
Verwenden Sie lange Leinen in offenen Bereichen und üben Sie einen starken Rückruf („komm her“), um Jagdimpulse umzulenken.
5. Futtermotivation: Welche Hunde reagieren am besten auf Leckerlis?

Manche Hunde tun alles für eine Belohnung. Andere sind völlig gleichgültig.
🧬 Studienerkenntnis
Labradors haben eine genetische Mutation, die sie futterbesessener macht als andere Hunde (MacLean et al., 2019).
🍖 Stark futtermotivierte Rassen
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Labrador Retriever – Das Paradebeispiel für Futterantrieb
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Beagle – Arbeitet hart, selbst für ein Krümelchen
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Cocker Spaniel – reagiert auf schmackhafte Leckerlis
🥩 Weniger futtermotivierte Rassen
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Sibirischer Husky – ignoriert oft Futter im Training
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Basenji – bevorzugt Lob oder Spielzeug
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Afghanischer Windhund – wählerisch und unabhängig
💡 Trainingstipp:
Wenn Ihr Hund keine Leckerlis mag, versuchen Sie Spielzeug, Zuneigung oder Spiele als Belohnung.
Abschließende Gedanken: Trainieren Sie mit Instinkt im Hinterkopf
Das Verständnis der rassespezifischen Instinkte Ihres Hundes ist nicht nur interessant – es ist der Schlüssel zu effektivem, respektvollem Training.
✔️ Hütehunde brauchen strukturierte Beschäftigungsmöglichkeiten
✔️ Hunde mit hohem Beutetrieb brauchen Rückruftraining
✔️ Lautstarke Rassen benötigen ruhige Verstärkung
✔️ Futtermotivierte Welpen gedeihen bei belohnungsbasierten Trainingseinheiten
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Referenzen
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Coren, S. (2006). Die Intelligenz der Hunde: Ein Leitfaden zum Lernen, Training und Verstehen von Hunden. Free Press.
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Ha, J. C., & Campion, T. L. (2018). Hundeverhalten: Moderne Wissenschaft und unsere canine Begleiter. Elsevier/Academic Press.
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MacLean, E. L., Snyder-Mackler, N., vonHoldt, B. M., & Serpell, J. A. (2019). Hochgradig erblich und funktional relevante Rassedifferenzen im Verhalten von Hunden. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 286(1917), 20190716.
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Pérez-Guisado, J., Lopez-Rodríguez, R., & Muñoz-Serrano, A. (2006). Erblichkeit von dominant-aggressivem Verhalten bei English Cocker Spaniels. Applied Animal Behaviour Science, 100(3–4), 219–227.
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Storengen, L. M., Lingaas, F., & Nielsen, E. (2014). Trennungsangst bei Hunden: Rassedifferenzen und Risikofaktoren. Applied Animal Behaviour Science, 169, 144–150.



